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Bye Bye Iran

11 Jan
Kirche in Tabriz

Es mag verwundern, aber in jeder groesseren Stadt im Iran gibt es eine christliche Minderheit und die haben auch ihre Kirchen - Kirche in Tabriz

Reichlich 2 Monate im Iran waren eine sehr interessante Zeit fuer mich.  Der Iran ist ein spannendes Land voller Gegensaetze: es gibt viele moderne aufgeklaerte Menschen, genauso wie die traditionellen Religioesen; es herrscht ein Regime was anscheinend keiner mehr haben will, aber mit dem man auch ganz gut leben kann; mittelalterliche Gesetze kontrastrieren mit dem Drang nach Kermkraftwerken.

Als Reiseland bietet der Iran etwas, was ich so noch nirgendwo in der Welt gefunden habe, und das macht ihn wirklich einzigartig:  Das Gefuehl als Tourist wirklich ein willkommener Gast zu sein.  Nirgendwo sonst auf der Welt die ich kenne, kommt man so einfach den Menschen so nahe.  Man ist nicht ein anonymer Teil der Statistik wie in Europa und auch kein laufender Geldautomat wie in Asien.  Man wird hier von den Menschen tatsaechlich herzlich willkommen geheissen, man wird von viel aermeren Menschen grosszuegigst eingeladen und die Menschen sprechen offen und ehrlich mit einem.  Dafuer gibts, auf ner Skala von 1 bis 5, fuenf volle Punkte.

Kirche in Hamadan

Es sieht so aus, als ob der Iran religioese Minderheiten durchaus respektieren wuerde - Kirche in Hamadan

Esfahan

Die Kirchen sind immer mehr oder weniger versteckt und gerne auch mal zugeschlossen, ist aber kein Wunder, die Gemeinden sind klein und man trifft sich dann nur zu bestimmten Anlaessen in der Kirche - Kirche in Esfahan

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Esfahan

In Shiraz gibt es etwa 35 christliche Familien - Kirche in Esfahan

Der Iran ist durchaus preisguenstig, aber nicht billig (ausser Benzin, Transport).  Reisen ist sehr sicher, ich habe nie Angst um meine Sachen gehabt und habe auch von sonst niemanden gehoert, der bestohlen wurden waere.  Die (normale) Polizei ist genauso supernett wie die ganzen Leute hier, ich hatte, bis auf eine Ausnahme wo sich ein paar Leute ein bischen wichtig machten, nie irgendwelche Probleme.  Auch beim bezahlen wird man hoechstselten uebervorteilt, ausser von Taxifahrern und mit denen hatte ich gluecklicherweise wenig zu tun.  Es gibt recht wenig Touristen, deswegen gibt es auch, ausser in den Hauptdestinationen Esfahan, Yazd und Shiraz, auch keinerlei touristische Infrastruktur die irgendwie auf westliche Besucher ausgerichtet waere.  Das hat natuerlich Vor- und Nachteile, aber auf jeden Fall ist ein Aufenthalt hier authentisch, man kriegt gewiss kein Touri-Disneyland vorgesetzt.  Dafuer trifft man als Alleinreisender „off the beaten track“ auch teilweise wochenlang keine anderen Traveller, was mich dann mit der Zeit aber wirklich frustriert hat.

Als Fahrradland ist es nur mit Einschraenkungen zu empfehlen.  Man sollte lange monotone Strecken auf teilweise vielbefahrenen Autobahnen abkoennen, schoene Strecken gibt es natuerlich auch, aber die muss man immer muehsam suchen.  Dazu kommen groessere Entfernungen ohne irgendeine interessante Abwechslung, teilweise faehrt man mehrere hundert Kilometer durch aehnliche Landschaft.  Dazu kommen eine quaelende Hitze im Sommer und gefrierende Naechte im Winter.  Dafuer hat man keine Not mit bellenden Hunden oder Steine werfenden Kindern und die Strassen sind in der Regel ausgezeichnet.

Teheran

In Urmia dagegen, im Nordwesten Irans, gibt es etwa 450 armenisch-christliche Familien, das ist etwa 1% der Bevoelkreung - Kirche in Teheran

Teheran

Es gibt syrisch- und armenisch-orthodoxe Kirchen, katholische, anglikanische und protestantische - Kirche in Teheran

Der Sehenswuerdigkeiten gibt es so ein paar, aber eigentlich, fuer ein Land dieser Groesse, gibts nicht viel zu sehen.  Am Ende sind es Moscheen, Basare und ein paar traditionelle Haeuser und ein paar ehemalige Palaeste.  Das stoert mich persoenlich jetzt nicht so dolle, aber wer deswegen reist, ist hier schnell fertig.  Eine grosse Enttaeuschung ist das Essen, eintoeniges Fastfood aus Kebabs, Sandwiches und iranischer Pizza.  Selbst bei Einladungen nach Hause wird am Ende doch irgendwie alles, frueh, mittags und abends, mit Brot gegessen.

Auf jeden Fall waere dies kein Land, in dem ich mich fuer laengere Zeit niederlassen moechte.  Dafuer ist es mir einfach zu spassfrei. Alles was, in meiner Welt, irgendwie Freude macht, ist hier verboten: Facebook, Youtube, alles andere als traditioneller Musik, tanzen, Genussmittel, es gibt keine Kneipen, Frauen leben in ner Parallelwelt.  Die einzige Abwechlsung und typische Freizeitvergnuegen hier sind Verwandtenbesuche und das allgegenwaertige Picknick irgendwo draussen.  Es gibt zwar Kinos, aber ich bin sicher dass Pamela Anderson hier keine besonders guten Karrierechancen hat.  Aber wer Spass am beten hat, hat hier auf jeden Fall genug zu tun.

Ein weiterer Vorteil des Iran ist noch:  Es gibt garantiert keine israelischen Traveller und man muss keine Sorgen haben, um der naechsten Ecke irgendwo ein knutschendes Paerchen zu stoeren.  Fazit:  Kann man auf jeden Fall schon einmal machen, aber ich muss demnaechst nicht unbedingt nochmal hierher fahren.  Ich hatte auf jeden Fall ein gute Zeit und dafuer danke an all die lieben Iranis die mir Hilfe anboten, kleine Geschenke machten unterwegs, mich beherbergten oder sonstwie versuchten, mir eine gute Zeit zu bereiten.

Gottesdienst in Teheran

Gottesdienst in Teheran

Shiraz

Kirche in Shiraz

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1 Comment

Posted in Iran

 

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  1. Text

    28. Februar 2011 at 22:54

    Gott sei Dank mal ein Blog, der echte informative Beiträge veröffentlicht. Leider ist hierzulande die das Schreiben von Blogs nicht wirklich ausgeprägt, hier hat der Leser aber einen echten Mehrwert. Ich finde auch teilweise die Diskussionen sehr hilfreich. Da sieht man, dass sich jemand wirklich Mühe gemacht hat.