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Archive for Januar, 2011

Oman

28 Jan
Emiratis

junge Emiratis

Bangladeshi

die stellen sich ein paar Bangladeshi in die Gegend, die dann den Muell aufsammeln den die einfach aus dem Autofenster werfen

Ich hatte mal einen Physiklehrer, der kam, noch ganz am Anfang eines Schuljahres, in die Klasse, und sagte:  Buecher, zu, jeder nimmt ein leeres Blatt, links oben Name, rechts oben Datum.  Alles stoehnte, weil so fangen ueblicherweise Klassenarbeiten an.  Dann diktierte er, das war so ueblich erst die Fragen aufschreiben, dann hatten wir Zeit fuer die Antworten:  „1. Ist es wirklich sinnvoll“ – und alle schrieben: „Ist es wirklich sinnvoll“, dann er wieder: „schon in der zweiten Stunde“, was wiederum alle aufschrieben, „schon eine Klassenarbeit zu schreiben“.  Kann sein es gab noch ein paar Leute, die auch das noch mitschrieben.
Denselben Physiklehrer hatten sie dann mitten in den Abi-Vorbereitungen von der Schule genommen, weil er mal irgendwas mit der Stasi zu tun hatte.  Es ist ja eine erwiesene Tatsache, dass die Physik und die Stasi die unheimlichsten Verbindungen eingehen.

Nicht ganz zo witzig war es im Geounterricht, was mir ausreichend Gelegenheit gab, den verpassten Nachtschlaf nachzuholen.  Vielleicht haette ich damals etwas weniger von Daniela Herrmann traeumen, sondern doch besser zuhoeren sollen, dann waere mir die Sache mit dem Nordostpassatwind vielleicht noch etwas gelaeufiger gewesen.  Dieser jedenfalls macht mir nun entweder das Leben richtig schwer, wenn er einfach wirklich ausdauernd sehr konkret von vorne weht.  Oder es auch zu einem einzigen Vergnuegen, wenn ich gerade Richtung Suedwesten fahre.

Also verglichen mit den Emiraten oder dem Oman ist der Iran der reinste Sexshop.  Man sieht wirklich selten arabische Frauen auf der Strasse und wenn, dann auch nur komplett verschleiert.  So etwas wie ein nur sehr lose gebundenes Kopftuch gibts gar nicht.  Andererseits koennen aber alle nichtmuslimischen Frauen so rumlaufen wie sie wollen, niemand stoert sich dran wenn die Lady an der Hotelrezeption nen kurzen Rock anhat oder leicht rundliche Touristinnen ihre verbrannten Dekolletees durch die Gegend tragen.

Labour

Labour - aus Pakistan

Im letzten Artikel lobte ich die Emirate, weil sie so schoen multikulti seien.  Nun, bei etwas naeherer Betrachtung sieht das dann konkret so aus, dass der Araber mit seinem dickem Auto durch die Gegend faehrt und in schicken Villen wohnt, waehrend der gemeine Inder oder Pakistani so wichtige Aufgaben erfuellt wie Muell aufraeumen, Rasen kaemmen oder diese Imbissbuden zu betreiben.  Ich war auch zufaelligerweise in so einem Barackenlager neben einer Fabrik irgendwo mitten in der Landschaft neben der Autobahn, in der ne Menge Pakistanis existierten.  Auf die Frage was sie hier eigentlich machen, antwortete einer: „Labour“.  Und genau das sind sie wohl, Arbeitskraft.
Nuetzt ja auch nichts irgendwie rumzustreiken oder sonstwie die Klappe aufzureissen, weil da gibt diese lustigen Dinger die aussehen wie ne Gurke in weiss mit den zwei grossen flachen laenglichen Scheiben an der Seite, da kann man sich dann reinsetzen und schwupdiwups ist man wiederbei seinen 7 Geschwistern in Pakistan.

Omanis

diese jungen Omanis hatte ich mit ner Flasche Whisky erwischt...

Omanis im Auto

ist ein totales Autoland, hier steigt keiner mehr aus

Ist ja auch schlau die ganzen Deppenjobs nicht selber machen zu wollen.  In Deutschland bewerben sich ja sogar noch die Leute, mit Lebenslauf und Zeugnissen, fuer so erfuellende Aufgaben wie an der Supermarktkasse kassieren oder auf Baustellen im Dreck zu wuehlen.  Und sind dann auch noch ganz stolz drauf arbeiten zu gehen.  Und das sind dann auch noch ausgerechnet die Leute, die am lautesten „Auslaender raus“ bruellen, Hilfe, euch koennte ja jemand den Malocherjob wegnehmen.

Ich hatte inzwischen auch schon das Vergnuegen mal in einem der Ferienresorts hier zu landen. Nicht zum pennen, eher findet man mich mit nem Alf-Kostuem in der Semperoper als in so einem Laden, sondern weil ich da was wegen einer Tauchschule angefragt hatte.  Und da liegen sie in der Sonne, all die europaeischen Dackdeckermeister und Backwarenfachverkaeuferinnen und halten ihre Bauchfalten in die Sonne und geben die Kohle aus, fuer die sie die restlichen 50 Wochen im Jahr hart geknutet haben.
Apropos Backwarenfachverkaeuferin, das ist wohl ein Job, den es, angefangen beim Wort selber, bis zur Taetigkeit an und fuer sich, auch nur im deutschen geben kann.  3 lange Jahre Ausbildung mit IHK-Qualifikation, wofuer? „Drei Broetchen bitte“ – “ Ein Euro Zehn“.  Und dann steht man da, frueh um 7 und reicht, schon mit schlechtem Gewissen, einen 20 Euro Schein ueber den Tresen, weil man sein ganzes Kleingeld gestern Abend in der Kneipe gelassen hat. Und man weiss genau was jetzt kommt: „Hammses ni kleener, das kann ich jetzt noch ni wechseln“  Nein, hab ich nicht und vor allem jetzt um die Zeit gar keine Lust mich um solche Probleme zu kuemmern.

Picknick

Picknick mit der Family

Aber ich schweife ab.  Oman.  Grossartiges Land, stolze, selbsbewusste Leute, modern mit Tradition, hochsommerliches Wetter, viele neue Strassen.  Irgendwie hat es der Sultan, der 1970 seinen eigenen Vater abgesetzt hat, hingekriegt das Land innerhalb der letzten 40 Jahre von einem voellig zurueckgebliebenen Wuestenland zu einem durchaus modernen Land zu machen.  Und dabei haben die nicht so viel Oel wie etwa die Emirate, was denen die allerschlimmsten groessenwahnsinnigen Eskapaden erspart hat, sondern hier ist auch ne Menge aus eigener Kraft und durch Arbeit entstanden.  Und dabei hat der nette Sultan sich nicht alles selber eingesteckt, sondern auch seinen Jungs im Land ordentlich was abgegeben. So gab es vor 1970 irgendwie nur 10km asfaltierte Strasse, wo heute ein ziemlich gutes Strassennetz existiert, das Gesundheitswesen ist kostenlos, und einmal im Jahr macht der Sultan irgendwo im Land einen Ueberraschungsbesuch irgendwo und man kann hingehen und sich was wuenschen, was er dann erfuellt, eine neue Schule etwa oder so was.  Demokratie gibts keine, aber ehrlich, wer braucht sowas wenns einem eigentlich gut geht?

Typ

Typ "von hier"

Pakistani

den fand ich auch toll, ein Pakistani aus Dubai

Musandam Strasse

total schick, an diesem noerdlichsten Zipfel der arabischen Halbinsel geht 40km diese geile Strasse da genau an der Kueste entlang - links spannend, die Berge, rechts langweilig, das Meer

Khor an Naji

und da sind dann ganz viele Fjorde, die meisten sind nur vom Wasser aus zugaenglich. Im Gegensatz zu Norwegen kann man aber baden gehen ohne hinterher bestimmte Koerperteile suchen zu muessen.

Lolli taucht

Lolli taucht

taucht

hier nochmal, etwas entspannter

moderne Moschee

Fast alle Moscheen sind neu gebaut. Da gibts sogar mal sehr stylische Architektur.

Villa

So kann man doch leben. So was sieht man oft.

Baracken

als Labour kann man aber auch so wohnen

Freitag

Freitag nach Eins, macht jeder sein - zur Gebetszeit am Freitag sind die Orte wie ausgestorben und alle haengen in der Moschee rum

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in den Emiraten – Ankunft in Sharjah

13 Jan

Fahrt schneller!  Heizt eure Wohnungen!  Kauft mehr irische Butter!  Je mehr Oel wir verfeuern, umso besser gehts den Leuten hier unten am Golf.  Ich steige aus der Faehre und krieg den Mund nicht mehr zu, staunend und fassungslos fahre ich durch die Stadt.  So muessen sich die Ossis 1989 in Westberlin gefuehlt haben.

Sharjah

Sharjah

Sharjah

Nein, das ist nicht Dubai, das ist Sharjah, eine kleinere Stadt etwa 20km noerdlich.

Unigebaeude

Geschmack haben sie - eines von vielen Gebaueden der Uni

Es sieht hier genau so aus, als wenn jemand Civilisation extrem erfolgreich gespielt haette.  Ein Meer aus Wolkenkratzern durchzogen von perfekten Strassen gesaeumt von gruenen Wiesen und Palmen, dazu ein paar gelegentliche Fussgaenger aber vor allem ne Menge grosser, sauberer, moderner Autos. Der Verkehr summt eher als dass er roehrt.  Englisch ist hier die gaengige Umgangssprache, ich kann mit allen reden!  Alles ist neu, die ganze Stadt wurde quasi innerhalb der letzten 40 Jahre gebaut.  Dazu perfekt sommerliches Wetter ohne zu heiss zu sein – also die Welt ist gerade wunderschoen.

Ist ja auch leicht, koennte man denken, mit unbegrenzten Credits, um mal in der Spielewelt zu bleiben, baut ja jeder easy seine Traumstadt.  Ist aber nicht ganz so einfach, auch Iran oder etwa Nigeria haben ne Menge Oel, aber irgendwie sieht die Welt bei denen ganz anders aus.  Vor allem haben die Araber etwas, was man auch fuer viel Geld nicht kaufen kann, und das ist Geschmack. Man kann eine Stadt natuerlich mit neuen modernen Gebaeuden zupflastern, aber ueblicherweise kriegt man davon nen Augenschaden wegen Haesslichkeit.  Das geht mir hier gerade gar nicht so, irgendwie sieht alles auch noch nach was aus.

Staendig stehen so ein paar indische oder pakistanische Gaertner am Strassenrand und zuppeln da was am Rasen rum.  Ist auch sinnvoll hier alles entweder zuzubetonieren oder eben mit Gras zu bepflanzen, weil ansonsten fliegt einen der Sand um die Ohren.  Nichtmuslimische Frauen duerfen auch ohne Kopftuch rumlaufen und das sieht man auch sehr haeufig.  Tut gut, ein sehr willkommene Abwechslung.  Viele Laeden sind 24 Stunden offen und das Strassenbild ist bunt gemischt, 80% der Bevoelkerung sind Auslaender.  Niemand fragt mich mehr woher ich komme, hier ist sowieso jeder von irgendwoher.  Wenn es noch eines Beweises gebraucht haette, dass multi-kulti ein Erfolgskonzept ist, dann waere der hiermit erbracht.

Ich musste mich erstmal wieder an die Existenz von Ampeln und Vorfahrsregeln gewoehnen.  Hier wird tatsaechlich vorm Kreisverkehr gewartet und nicht einfach geradezu reingefahren und gedraengelt und genoetigt was das Zeug haelt.  Autos haben hier Bremsen, Richtungen fuer Fahrspuren haben eine Bedeutung.  Auf einmal bin ich wieder der Rowdy.
Ausser ein paar einzelnen Pakistanis faehrt hier auch absolut niemand mit dem Fahrrad, das gibts hier schlicht nicht.  Ich seh hier mit meinem staubigen Rad zwischen den ganzen dicken glaenzenden Kisten aus wie ein Dominikanermoench beim Besuch beim Papst.  Voellig schraeg.

.im Hostel in Sharjah

hinten der Algerier, links der brasilianische Fussballer, rechts der filipinische Verwalter - und eine ungemein soziale Atmosphaere

Derzeit penne ich in der Jugendherberge hier, die Nacht im 3er-Mehrbettzimmer  fuer 14 Euro, das ist fuer die Gegend hier geradezu geschenkt.  Bin auch der einzige Tourist in der Butze, alle anderen wohnen da mehrere Wochen bis Monate und haben hier irgendwas zu arbeiten.  Ist ne einzigartige Truppe:
Da haetten wir den philippinischen Hostel-Angestellten, der hockt von morgens bis spaet abends vor seinem Laptop und skypt staendig mit wem auf spanisch, u.a. mit seiner Frau, die derzeit in Hongkong ist.
Dann waere da noch ein brasilianischer Fussballspieler, der beim oertlichen Team hier in Sharjah unter Vertrag steht, vorher hatte der fuer ein Team in Costa Rica gekickt.  Besonders dicke Kohle scheint er nicht zu verdienen, sonst waere er nicht im Hostel.  Es scheint bei Fussballprofis auch so eine Art Lumpenproletariat zu geben, die so von Saison zu Saison weiter ziehen und dabei grad so um die Runden kommen.
Gestern schlief da noch ein Geschaeftsmann aus dem Sudan, der in drei Tagen mit dem Auto von Khartoum ueber Saudi-Arabien hierher gefahren war.  Ausserdem noch ein Belgier marrokanischer Abstammung der hier irgendwas mit Import-Export macht und ein Algerier, mit dem ich leider kein Wort wechseln kann, weil der nur arabisch und franzoesisch kann.

Sharjah

dieses Foto heb ich mir fuers naechste Klassentreffen auf

Das wars, 5 Leute bei 32 Betten, und das sind die mit Abstand billigsten Betten in der ganzen Stadt.  Es scheint keinerlei Bedarf fuer preisguenstige Uebernachtungen zu geben.  Jedenfalls bin ich der einzige Tourist im Hostel und es sieht auch nicht so aus, als ob es andere Low-Budget-Traveller gaebe.  Der Lonely Planet ist voller Beschreibungen diverser Resorts und 5-Sterne Hotels, das ist hier einfach die normale Art der Uebernachtung.  Es gilt also mal  ein ganz neues Abenteuer zu bestehen:  Ueberleben mit endlichen Ressourcen in einer Welt, die man nur mit Gasmaske betreten koennte – wenn Geld stinken wuerde.
Aber es gibt Hoffnungsschimmer.  Essen ist, dank der vielen indischen und pakistanischen Cafeterias, die vor allem fuer die eher schlechter bezahlten Gastarbeiter da sind, durchaus bezahlbar, eigentlich guenstiger als in Deutschland.  Eintrittsgelder sind ziemlich guenstig.  Hauptproblem sind  Uebernachtungen.  Das geht in den lausigsten Buden ab 50 Euro die Nacht los, das waere aber schon ein Ausnahmepreis nach unten.  Also viel zelten, wenig duschen.  Nicht so schlimm, da waere ich auf jeden Fall fuer den naechsten Polizeikontakt gewappnet.

Oelplattform

So sieht eine Gelddruckmaschine aus - Oelplattform im Hafen

Ajman

nochmal 10km weg, die naechste Stadt, Ajman, das ist wohl die Hauptstadt eines der aermsten der Emirate

Al-Hisn Fort

Historisches gibts irgendwie auch - zwischen Apartmentblocks und Kleinwagen.

Spenden

Als guter Moslem soll man natuerlich spenden. Das kann man hier auf etwas elegantere Art erledigen.

Souk

der Zentralmarkt

Patenbrigade

der Rasen waechst nicht von alleine

Imbissbude

Zum essen faehrt man mit seinem Auto zur Imbissbutze. Bleibt aber sitzen, hupt, kommt der Pakistani rausgesprattelt, nimmt die Bestellung und bringt den Mampf ins Auto.

Dubai am Horizont

am Horizont - das ist Dubai

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Bye Bye Iran

11 Jan
Kirche in Tabriz

Es mag verwundern, aber in jeder groesseren Stadt im Iran gibt es eine christliche Minderheit und die haben auch ihre Kirchen - Kirche in Tabriz

Reichlich 2 Monate im Iran waren eine sehr interessante Zeit fuer mich.  Der Iran ist ein spannendes Land voller Gegensaetze: es gibt viele moderne aufgeklaerte Menschen, genauso wie die traditionellen Religioesen; es herrscht ein Regime was anscheinend keiner mehr haben will, aber mit dem man auch ganz gut leben kann; mittelalterliche Gesetze kontrastrieren mit dem Drang nach Kermkraftwerken.

Als Reiseland bietet der Iran etwas, was ich so noch nirgendwo in der Welt gefunden habe, und das macht ihn wirklich einzigartig:  Das Gefuehl als Tourist wirklich ein willkommener Gast zu sein.  Nirgendwo sonst auf der Welt die ich kenne, kommt man so einfach den Menschen so nahe.  Man ist nicht ein anonymer Teil der Statistik wie in Europa und auch kein laufender Geldautomat wie in Asien.  Man wird hier von den Menschen tatsaechlich herzlich willkommen geheissen, man wird von viel aermeren Menschen grosszuegigst eingeladen und die Menschen sprechen offen und ehrlich mit einem.  Dafuer gibts, auf ner Skala von 1 bis 5, fuenf volle Punkte.

Kirche in Hamadan

Es sieht so aus, als ob der Iran religioese Minderheiten durchaus respektieren wuerde - Kirche in Hamadan

Esfahan

Die Kirchen sind immer mehr oder weniger versteckt und gerne auch mal zugeschlossen, ist aber kein Wunder, die Gemeinden sind klein und man trifft sich dann nur zu bestimmten Anlaessen in der Kirche - Kirche in Esfahan

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Esfahan

In Shiraz gibt es etwa 35 christliche Familien - Kirche in Esfahan

Der Iran ist durchaus preisguenstig, aber nicht billig (ausser Benzin, Transport).  Reisen ist sehr sicher, ich habe nie Angst um meine Sachen gehabt und habe auch von sonst niemanden gehoert, der bestohlen wurden waere.  Die (normale) Polizei ist genauso supernett wie die ganzen Leute hier, ich hatte, bis auf eine Ausnahme wo sich ein paar Leute ein bischen wichtig machten, nie irgendwelche Probleme.  Auch beim bezahlen wird man hoechstselten uebervorteilt, ausser von Taxifahrern und mit denen hatte ich gluecklicherweise wenig zu tun.  Es gibt recht wenig Touristen, deswegen gibt es auch, ausser in den Hauptdestinationen Esfahan, Yazd und Shiraz, auch keinerlei touristische Infrastruktur die irgendwie auf westliche Besucher ausgerichtet waere.  Das hat natuerlich Vor- und Nachteile, aber auf jeden Fall ist ein Aufenthalt hier authentisch, man kriegt gewiss kein Touri-Disneyland vorgesetzt.  Dafuer trifft man als Alleinreisender „off the beaten track“ auch teilweise wochenlang keine anderen Traveller, was mich dann mit der Zeit aber wirklich frustriert hat.

Als Fahrradland ist es nur mit Einschraenkungen zu empfehlen.  Man sollte lange monotone Strecken auf teilweise vielbefahrenen Autobahnen abkoennen, schoene Strecken gibt es natuerlich auch, aber die muss man immer muehsam suchen.  Dazu kommen groessere Entfernungen ohne irgendeine interessante Abwechslung, teilweise faehrt man mehrere hundert Kilometer durch aehnliche Landschaft.  Dazu kommen eine quaelende Hitze im Sommer und gefrierende Naechte im Winter.  Dafuer hat man keine Not mit bellenden Hunden oder Steine werfenden Kindern und die Strassen sind in der Regel ausgezeichnet.

Teheran

In Urmia dagegen, im Nordwesten Irans, gibt es etwa 450 armenisch-christliche Familien, das ist etwa 1% der Bevoelkreung - Kirche in Teheran

Teheran

Es gibt syrisch- und armenisch-orthodoxe Kirchen, katholische, anglikanische und protestantische - Kirche in Teheran

Der Sehenswuerdigkeiten gibt es so ein paar, aber eigentlich, fuer ein Land dieser Groesse, gibts nicht viel zu sehen.  Am Ende sind es Moscheen, Basare und ein paar traditionelle Haeuser und ein paar ehemalige Palaeste.  Das stoert mich persoenlich jetzt nicht so dolle, aber wer deswegen reist, ist hier schnell fertig.  Eine grosse Enttaeuschung ist das Essen, eintoeniges Fastfood aus Kebabs, Sandwiches und iranischer Pizza.  Selbst bei Einladungen nach Hause wird am Ende doch irgendwie alles, frueh, mittags und abends, mit Brot gegessen.

Auf jeden Fall waere dies kein Land, in dem ich mich fuer laengere Zeit niederlassen moechte.  Dafuer ist es mir einfach zu spassfrei. Alles was, in meiner Welt, irgendwie Freude macht, ist hier verboten: Facebook, Youtube, alles andere als traditioneller Musik, tanzen, Genussmittel, es gibt keine Kneipen, Frauen leben in ner Parallelwelt.  Die einzige Abwechlsung und typische Freizeitvergnuegen hier sind Verwandtenbesuche und das allgegenwaertige Picknick irgendwo draussen.  Es gibt zwar Kinos, aber ich bin sicher dass Pamela Anderson hier keine besonders guten Karrierechancen hat.  Aber wer Spass am beten hat, hat hier auf jeden Fall genug zu tun.

Ein weiterer Vorteil des Iran ist noch:  Es gibt garantiert keine israelischen Traveller und man muss keine Sorgen haben, um der naechsten Ecke irgendwo ein knutschendes Paerchen zu stoeren.  Fazit:  Kann man auf jeden Fall schon einmal machen, aber ich muss demnaechst nicht unbedingt nochmal hierher fahren.  Ich hatte auf jeden Fall ein gute Zeit und dafuer danke an all die lieben Iranis die mir Hilfe anboten, kleine Geschenke machten unterwegs, mich beherbergten oder sonstwie versuchten, mir eine gute Zeit zu bereiten.

Gottesdienst in Teheran

Gottesdienst in Teheran

Shiraz

Kirche in Shiraz

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stinken fuer die Freiheit

11 Jan

Zu einer ordnungsgemaessen Iran-Reise gehoert natuerlich auch eine Nacht bei der Polizei.  Irgendwie war es die letzten Tage nicht besonders aufregend, die Landschaft zwar ganz schoen, aber das nun auch schon in der dreizehnten Wiederholung, die Orte einer wie der andere.  Da machte sich ein wenig Ueberdruss, um nicht zu sagen Langeweile breit, und man faehrt eben so seine Kilometerchen ab.  Aber fuer Unterhaltung wird gesorgt!

gefaehrliches Foto

gefaehrliches Foto - Tee trinken am Check-Point

iranischer Polizist und Soldat

das gleiche Foto nochmal anders, diesmal mit Soldaten

Da haelt ein Auto neben mir, drei Maenner drin, alles in zivil: „Passport!“  Nun wird man hier nie von der Polizei nach dem Pass gefragt, wohl aber von Betruegern, die den Pass fuer was auch immer brauchen.  Deswegen gabs den Pass nicht von mir, aber die Ansage, dass sie ihn gerne in der naechsten Polizeistation sehen koennen.  Stellte sich spaeter raus, das waren schon echte Bullen, nur eben Geheimpolizei oder so was.  Jedenfalls haben dann die Bullen ohne Uniform die Bullen mit Uniform geholt und den Rest der Strecke gings weiter auf der Rueckbank des Polizeiautos.

Das war deswegen so aergerlich, weil es 35km vor der Kueste passierte.  Da faehrt man 4600km quer durchs Land, ueber nicht wenige Berge, und dann hat die Ankunft an diesem Ziel, persischer Golf, das Meer, schon eine ziemliche Bedeutung.  Da dann endlich mit dem Rad am Wasser anzukommen, tausend Mal ausgemalt, ein grosser Erfolg, ein erreichtes Ziel, das ist ne dicke Nummer.  Stattdessen sitze ich in diesem doofen Bullenauto und sehe das Meer durch die Fensterscheibe.  Das ist wie, wenn man am Strand in stundenlanger muehsamer aber liebevoller Arbeit eine schoene grosse Kleckerburg baut, mit drei Tuermen und zwei Eingaengen, und dann aufsteht um sie Mutti zu zeigen, und dann kommt jemand und zertrampelt sie.  Ich haette sie erwuergen koennen!

Dann fing der Spass aber erst an.  Eigentlich waren alle fast immer nett, ich war eher ne Kuriositaet.  Was den Chef da nicht davon abhielt, alle meine Taschen zu durchsuchen, erstmal den Lonely Planet und zwei andere Buecher zu beschlagnahmen und die Bilder meiner Kamera durchzusehen.  Und dann waren da ein paar Fotos die ihm nicht gefielen, zwei mit irgendwelchen Uniformierten drauf, eines von einer Wahlkarte von der letzten Wahl.  Und dann ging ein Fragenmarathon los, das mir hoeren und sehen verging.  Warum habe ich diese Fotos gemacht, wann, wo?  Welche Strecke bin ich gefahren, wen habe ich getroffen, habe ich Freunde im Iran, kenne ich Leute in Deutschland die fuer die Regierung arbeiten, woher habe ich diese oder jene Telefonnummer, was arbeitet meine Mutter, mein Vater, meine Schwester, warum mache ich Fotos von Strassen? Pi pa po.  Voellig nervend.

gefaehrliches Foto

noch so ein staatsgefaehrdendes Foto: Eigentlich wollte ich das Fernsehinterview fotografieren, was kann ich dafuer das da so ein Aufpasserheini im Bild rumsteht?

Dann wurde ich in die naechste Polizeistation gefahren, hier wiederholte sich die ganze Szene, ich wurde nacheinander von zwei verschiedenen Leuten, alle in zivil, die sahen nicht anders aus als die ganzen anderen Mohammeds auf der Strasse, zu jeden moeglichen und unmoeglichen Kram befragt.  Das Dumme ist, man weiss nie, mit wem man es zu tun hat. Wer ist das, welche Funktion hat der, ist der wichtig?  Aber Fragen ohne Pause: Warum ich im Iran bin, womit ich mein Geld verdiene, wie viel Geld ich dabei habe, wieso treffe ich Iraner, kenne ich Iraner in Deutschland… Meine Strassenkarte wurde mehrfach aufs genaueste untersucht.
Aber mal im Ernst: Wenn ich einen Spion in den Iran schicke, waere es dann schlau den auf einem Fahrrad durch die Gegend fahren zu lassen?  Das ist so unauffaellig, da kann man hier auch gleich nackig baden gehen.

Strassenfoto

Warum machst du Fotos von Strassen? Keine Ahnung, weil ich viel auf Strassen unterwegs bin und weil es mir gefallen hat?

Nach sechs Stunden dachte ich, die Sache waere endlich vorrueber, fahren die mich in ein anderes Gebaeude, wo ich dann die Nacht verbringe.  Vorher findet der noch mein Tagebuch in meinem Rucksack.  Da hat man dann ueber Nacht genug Zeit sich die Situation schoen auszumalen.  Fuer jemand, dem man irgendwie verdaechtig erscheint, muessen so etwa 50 engbeschriebene Seiten immer so mit Datum vorneweg doch wie ein Geheimdossier, oder noch schlimmer, ein Buchmanuskript  vorkommen.  Hinten drin waren auch einige Notizen fuer diverse Blogeintraege.  Jedenfalls genug Stoff, um daraus nen Journalismusvorwurf zu drehen.

Man weiss ja auch nie an wen man geraet.  Ich bin in Deutschland schon zu ner Haftstrafe auf Bewaehrung verurteilt wurden fuer was, was ich gar nicht gemacht habe, einfach weil die Aussage eines „Polizeibeamten“ mehr wert ist als das Gestammel meiner Peilerfreunde.  Ich will damit sagen, ich hab  mehr Vertrauen in einen israelisch-palaestinensichen Friedensvertrag als in Richter oder Polizisten und da kann man hier im Iran sicher noch ne Potenzzahl dahinter schreiben.  Da muss man nur mal an den falschen Typen geraten fuer den man die fehlende Sprosse auf der Karriereleiter ist = nicht lustig!

Am naechsten Tag durchsucht einer nochmal mein Zeug.  Mir reichts langsam, das geht mir echt auf den Wecker, da durchwuehlt wieder irgend so ein Schnueffler meinen Privatkram, was geht den das denn an?  Und er findet auch gleich wieder was, unter anderem ein paar Tan-Listen und ein Blatt mit ein paar  Passwoertern, u.a. fuer dieses Blog hier.  Ich dachte schon, jetzt sei alles aus. Ich bin sicher, beim lesen einiger dieser Artikel hier, haben die garantiert ein anderes Verstaendnis von Humor als ich. Und sehen so Tan-Nummern, fuer wen der kein Online-Banking kennt, nicht eher wie irgendwelche Geheimcodes aus? Man wird dann so langsam paranoid.

Kirchentuer in Shiraz

Hast du wirklich keine Religion? Warum machst du dann Fotos von Kirchen?

Jedenfalls gabs da genug Stoff fuer mich, mir ordentlich Sorgen um meine Zukunft zu machen.  Eine kleine Freude hatte ich. Als die in meinem Rucksack ein paar Kondome fanden, meinte ich, dass ich diese ja hier im Iran nicht braeuchte.  Hab mir gar nichts dabei gedacht, aber die verbissenen Gesichter als die verkniffen antworteten „Aber in Georgien oder Armenien schon?“, uh das hat mir gut getan.

Jedenfalls, am zweiten Tag gabs noch ein weiteres und das letzte, nunmehr vierte, laengere Verhoer.  Nun muss man wissen, den ganzen Tag radfahren, dabei schwitzen, im Zelt pennen, da ist nicht viel mit waschen.  Ist ja auch kein Ding, man ist an der frischen Luft und wenn man in eine Stadt kommt und da bleiben will, geht man in ein Hotel und duscht und alles ist gut.  Die Gelegenheit hatte ich in diesem Fall aber nicht; und so verspruehte ich dann auch ein entsprechendes Aroma.  Zugegeben, ich haette mich da an diesem Waschbecken auf dem Klo irgendwie waschen koennen und ich hatte auch frische Socken im Ruecksack.  Aber Widerstand faengt im Kleinen an und man muss es den Freaks hier ja nicht noch angenehm machen.  Und wie sie dann reinkamen, erstmal alle Fenster und Tueren aufmachten und Duftspray verspruehten, ich haette mich wegwerfen koennen waere mir nur irgendwie zum lachen zu Mute gewesen.

hebraeische Schrift

Oh nein, hebraeische Schrift! Sorry Jungs, das war ne Sehenswuerdigkeit im Iran.

Mein Glueck war vielleicht auch, dass die keine Computer in ihren Bueros haben, von Internet ganz zu schweigen.  Alles wurde schoen handschriftlich mit Blaupapier protokolliert.  Nun neige ich aber nicht dazu die Polizei zu unterschaetzen, keiner weiss gern seine Passwoerter bei der iranischen Polizei.  Mein Glueck war auch, dass die nicht deutsch koennen und es wahrscheinlich etwas aufwendig waere einen Uebersetzer zu finden, so bleiben viele meiner Notizen wohl unverstanden.

Am Ende haben sie mich nach 26 Stunden laufen lassen.  Mit der Ansage, den Iran auf schnellsten Weg zu verlassen, nicht mehr auf diese Insel zu fahren wo ich eigentlich noch hinwollte.  Mein Vergehen war es angeblich, auf einer Strasse gefahren zu sein, die fuer Touris nicht erlaubt waere.  Das ist aber ein Vorwand, sowas habe ich hier noch nie gehoert.  Und es gab die Ansage und das soll ich allen sagen: „We control every tourist.“  Na wenn das mal keine nette Einladung ist.
Der wollte mir klar machen, dass natuerlich auch Auslaender die Regeln hier zu befolgen haetten, sprich die machen hier die Regeln und nicht die Touris.  Da klang er dicke durch, der trotzige Nationalstolz.  In Dresden stimmt das Wahlvolk  fuer eine Bruecke, die zwar so teuer ist wie drei kleinere andere und der Weltkulturerbetitel ist hinterher weg, aber immerhin es ist deren eigene Entscheidung und keine Einmischung von irgendwelchen schlauen Leuten aus dem Westen oder gar aus dem Ausland.  Hirnverbrannt, hier wie dort, aber funktioniert.

Leute

Wer ist das? Wo hast du die getroffen und warum? Worueber habt ihr geredet?, Warum machst du nur Fotos von armen Leuten?

Naechsten Tag fahre ich weiter.  Aber es ist nicht mehr das Selbe.  Jetzt verstehe ich auch, warum hier ueberall die Khomeini-Khamenei Bilder rumhaengen, das ist irgendwie die staendige Erinnerung, wir haben dich im Blick, wir passen immer auf was du machst.  Gruselig.
Ich fahre ein Stueck, haelt vor mir ein Polizeiauto, drei Polizisten steigen aus, winken mich ran.  Ich denke, oh nein, jetzt haben sie doch noch was gefunden.  Stattdessen ist es der ganz normale Wahnsinn, die haben nur angehalten um mir die Hand zu geben, zu fragen ob alles ok sei, ob ich Hilfe brauche und mir eine gute Reise zu wuenschen.  Spaeter krieg ich von so nem Checkpoint-Soldaten noch 2 Orangen geschenkt, insgesamt werden es an diesem Tag 6 Orangen und 2 Aepfel.  Verueckt.  Allesamt so liebe und freundliche Leute und dann gibts ein paar hypernervoese Vertreter der Diktatur und die machen alles kaputt.  Aber die Einschuechterung funktioniert, ich antworte ausweichend wenn irgendwer vor mir ueber den doofen Achmi schimpft, weiss ich ob das echt ist oder vielleicht ein Zivi?  Selbst den Blog hier fuer meine restliche Zeit im Iran abzuschalten, ist ja schon so ne Art von Selbstzensur.  So wirds gemacht.  Ich will nur anmerken, es ist leicht in einem einigermassen liberalen Land wie Deutschland laut „Revolution“ zu schreien, die Sache sieht ein bischen anders aus, wenn fuer einem tatsaechlich was auf dem Spiel steht.

Aber das ich zwar hirntot bin, aber die Reflexe noch funktionieren, zeigt folgende kleine Nebengeschichte.  Ich sitze da so in diesem Zimmer rum und hab sozusagen einen Tag Erholung bei freier Verpflegung, sprich, ich langweile mich natuerlich sehr.  Und hab dann mit dem Kuli ganz klein was an die Wand gekritzelt „Fuck the system“ und „Freedom for Iran“.  Mir war gerade irgendwie danach, sollten die natuerlich nicht lesen, aber ich wollte schon noch ein Statement abgeben.  Wenig spaeter viel mir ein, dass das jetzt hier nicht wirklich ne langweilige Biostunde in der Schule ist, wo ich noch irgend einen anderen Bloedsinn zu „Marcus liebt Sandra“ unter der Schulbank hinzuschreibe. Sondern dass ich hier in irgendeinen Versammlungsraum des iranischen Staatsschutzes rumsitze und die das sicher nicht besonders lustig finden, wenn sie das finden.  Und dann hab ich eine gefuehlte Ewigkeit damit zugebracht, den Kuli auf Oelfarbe mit Spucke und Finger irgendwie wieder von der Wand zu entfernen, staendig mit einem Blick auf die Tuer, das ja auch keiner guckt oder reinkommt.  Eigentlich hab ichs nicht anders verdient, Knast wegen Bloedheit.

Ich hatte dann sicherheitshalber als erstes dieses Blog hier zu gemacht, ich hatte keine Lust mehr noch ein Risiko einzugehen, das System hier werde ich damit eh nicht zum wanken bringen.  Jetzt ist er wieder da, und das ich das jetzt hier schreiben kann, zeigt, dass ich raus aus dem Iran bin und alles ist gut.  Puh.

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Dinge, die so nerven

01 Jan
Blick morgens aus dem Zelt

Sonnenaufgang - Blick morgens aus dem Zelt

Hui, endlich wird es langsam waermer.  Ich naehere mich der Golfkueste, letztens waren es morgens sogar schon 5 Grad im Zelt und mittags brutzelt die Sonne schon richtig.

Bevor ich jetzt anfange zu schwaermen, ist das vielleicht mal eine Gelegenheit, sich ueber all die Dinge auszulassen, die hier nicht ganz so dolle sind.  In Wirklichkeit aergere ich mich tagtaeglich eigentlich vor allem ueber ein paar Probleme an der Heimatfront, da das aber hier nichts zu suchen hat, ziehe ich eben ueber die Iraner her.  Da koennen die gleich mal merken wie es so ist fuer andere der Jude zu sein.  Also:

1. Motorradfahrer

Motorradjungs

Motorradjungs - zwei von vielen

Motorradfahrer mit Energy-Drink

die haben mir nen Energy-Drink ausgegeben und mir 20km lang den Weg gezeigt

In all den kleinen Nestern die man so passiert, haengen immer ne Menge Leute einfach am Strassenrand rum und langweilen sich und vertroedeln die eintoenigen Tage:  „Hey guck mal, wasn das, ein Radfahrer?  Ausm Westen, lass mal mit dem Motorrad hinterherfahren…“
So oder so aehnlich stell ich mir die Gedanken oder Kommunikation vor.  Mein typisches Iran-Geraeusch wird das Knattern eines Motorrad-Motors sein.
Und die haben ne Menge Zeit und ne Menge Geduld.  Erst naehert sich das knattern vorsichtig von hinten, dann ist es neben einem.  Dann kommt der Versuch der Kommunikation, aber meine Farsi-Kenntnisse reichen nicht viel weiter, als dass ich eben 2 Monate im Iran bin, woher ich komme und wohin ich fahre und dass ich alleine unterwegs bin.  Das ist an und fuer sich in wenigen Minuten abgegessen.  Aber das Ereignis ist so gross und der Tag ist so lang und das Benzin ist so billig, ach da kann man ja noch ne Weile nebenher fahren.
Dummerweise sind die Jungs auch immer so verdammt freundlich und freuen sich, dass man die auch nicht einfach verjagen kann.  Und die denken wahrscheinlich, sie seien die Ersten und Einzigsten und ich freue mich ueber die Gesellschaft.  Aber so bald die dann irgendwann endlich abdrehen, dauert es keine fuenf Minuten und der naechste Motorrad-Ali faehrt neben einem her, stellt genau die gleichen Fragen usw. usf.

2. Mosaferkanehs

Mosaferkaneh

Mosaferkaneh - gemuetliches Zimmer

Mit einer Mischung aus Geiz, Prinzip und Gewohnheit steuere ich in den groesseren Orten unterwegs immer die billigsten aller moeglichen Quartiere an.  Und das sind hierzulande eben jene „Mosaferkaneh’s“, quasi die iranischen Hostels.  Es gibt Mehrbettzimmer, wobei ich meistens dann doch ein Zimmer alleine nehme und dafuer dann alle Betten bezahle, aber Traveller trifft man ausser in den ganz grossen Staedten sowieso keine und irgendwie bin ich den Luxus eines Einzelzeltes nun schon sehr gewoehnt.
Jedenfalls haben die Teile ganz oft so richtig knochenharte Betten, so wie Bretter mit ner duennen Stoffschicht drauf.  Ich hab mir schon manche Male noch die Isomatte drunter gelegt, damit ich ueberhaupt pennen konnte.  Eventuell gibts noch nen Tisch mit ner Plastetischdecke, eine Sparlampe macht weisses Neonlicht.  Ansonsten ist der Teppich im Durchschnitt 50 Jahre alt, dazu stehen immer Badelatschen als „Hausschuhe“ bereit, die vor mir schon geschaetzte zweitausend andere Gaeste an hatten.  Maenner diverser Koerperformen schlurfen mit heissen Teekesseln durch das Haus.  Ich habe niemals eine Heizung erlebt, die man abstellen konnte, sprich es waren nachts auch sehr gerne 25 Grad und mehr im Zimmer.  In einigen dieser Teile gab es gar keine Dusche, bei anderen bezahlt man dafuer extra und wenn mal eine Klo- oder Duschtuer abschliessbar ist, dann ist das ein echtes Ereignis.  Sicherlich wird auch manchmal sauber gemacht und vielleicht auch manchmal die Bettwaesche gewaschen.  Ich liebe mein Zelt, hat auch keine Dusche, kostet dafuer aber auch nichts.

3. Einkaufen

Geschaeft

ein gutes Geschaeft?

Ueblicherweise gibt es so kleine Laeden, die fuer mich interessanten sind entweder Gemueselaeden oder die fuer alles industriell hergestellte, Nudeln, Dosen, Marmerlade etc.
Leider ist es aber so, dass aber natuerlich keiner der Laeden immer genau das da hat, was ich so brauche.  Zwar gibt es Marmelade und Kuchen, aber keinen Kaese, oder keine Tomatensosse etc.  Im Gemueseladen gibt es zwar Aepfel, aber keine Zwiebeln usw.  Alles eigentlich kein Problem, da geht man in den Nachbarladen, der hat dann die fehlenden Haferflocken und wenn dann immer noch Bohnen fehlen, geht man eben noch einen Laden weiter.  Sprich man stueckelt sich so ueber verschiedene Laeden seine Sachen zusammen.
Tja, das waere schoen einfach, wenn man einfach in einen Laden gehe koennte, kaufen was man will und weiter.  Aber man muss natuerlich dem Verkaeufer erstmal erzaehlen wo man herkommt, wo man langfaehrt, ob man verheiratet ist usw. Inzwischen haben die im Nachbarladen und zwei Leute von der Strasse auch geschnackelt, dass hier was ungewoehnliches passiert, kommen rein und man erzaehlt alles gleich nochmal oder wer erzaehlt den anderen das. Und so geht das von Laden zu Laden, genau das gleiche Spiel immer wieder von vorn.  Auf jeden Fall dauert es immer ne kleine Weile bis man die einfachsten Dinge zusammen gekauft hat.

4. Nachmittgspause

nachmittags ist tote Hose

nachmittags ist tote Hose - und ach ja, die kleineren Orte sehen auch alle genau so und immer irgendwie gleich aus

Im Sommer ist es hier nachmittags so heiss, dass niemand gerne arbeiten moechte.  Kennt man ja auch aus anderen Laendern, dann ist quasi Siesta und gar nuescht passiert.  So auch hier, zwischen etwa 13 und 17 Uhr ist so ziemlich alles geschlossen.  Dann gehen die Leute nach Hause, essen was, verstecken sich vor der Sonne, liegen rum und ruhen sich aus.
Dummerweise ist es aber derzeit Winter und es ist nachmittags eher angenehm fruehsommerlich warm, aber die Gewohnheit ist nunmal so.  Und gegen fuenf wird es auch schon wieder dunkel, wenn man nicht mehr auf dem Fahrrad sein moechte.  Sprich man muss schon ein bischen aufpassen die Zeiten richtig zu timen.  Und wenn man in so einem Nest einen halben Tag  Pause macht, dann macht man in der Zeit wirklich Pause, weil es gibt rein gar nichts zu tun.

5. Beschilderung

Weggabelung

Tja, oeffnen sie die linke Tuer oder die Rechte?

Die grossen Hauptstrassen sind sehr gut ausgeschildert, in Farsi und in Englisch.  Leider sind diese Hauptstrassen eigentlich immer vierspurige Autobahnen, was zum radfahren wirklich total nervt.  Vor allem der ewige Krach, das Roehren und Rauschen und Pfeifen und Brummen – ein Alptraum.
Leider ist es ebenso ein kleiner Alptraum, die kleineren Strassen zu finden.  Dazu braucht es viel Geduld und man kann sich auf etliche Kilometer Weg nur fuer die Sucherei gefasst machen.  Kleinere Strassen die von den Autobahn-Hauptstrassen abgehen sind gerne gar nicht beschildert, im besten Fall ist die Beschilderung inkonsistent oder nur in Farsi.
Man kann natuerlich Leute fragen, die schicken einen aber immer wieder auf die ganz grossen Strassen, weil die denken was fuer ein Auto gut ist, kann fuer ein Fahrrad nicht schlecht sein.  Und alles was keinen Asfalt hat, kommt denen als Strasse gar nicht in den Sinn.
Auf der Karte sind ein paar interessante weisse Nebenstrassen eingezeichnet.  Die koennen tatsaechlich alles sein, von nicht existent ueber ganz steinige schlechte Sandwege ueber kaum befahrene kleine Traumstrassen bis zu gut ausgebauten Strassen.  Das Problem ist, man weiss es nie, lohnt es nach der Strasse jetzt lange zu suchen oder nicht.  Und Leute fragen kann man auch nur, wenn es einen Ort auf dieser Strasse gibt der in der Karte steht, sonst kann man es den Leuten einfach nicht erklaeren was man will.  So endet man leider oft genug auf einer der groesseren Strassen, einfach weil die Sucherei zu aufwendig ist.

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