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Frauen im Iran

26 Dez

Frau im Tschador

Wie wir alle wissen, ist der Iran nicht als das frauenfreundlichste Land der Welt bekannt.  Diese werden hier auf verschiedenste Art und Weise diskriminiert, das geht bei der Kleiderordnung los, bei der Frauen viel restriktivieren Gesetzen zu gehorschen haben, ueber deren weitaus schlechteren Rechte etwa bei Ehescheidungen bis hin zu den Jobaussichten.  Ueblicherweise bleiben die Frauen hier zu Hause und kuemmern sich um Haushalt und Kinder.

Das Bild was man so hat, ist gepraegt von Frauen, komplett verhuellt im schwarzen Tschador, was im Sommer auf jeden Fall eine Quaelerei ist.  An den Bushaltestellen gibt es zwei Schlangen, beim Baecker genauso, Frauen und Maenner sitzen im Bus getrennt.  Sieht aus wie Apartheid, nur gegen Frauen statt gegen Schwarze.
Wenn du als Frau im Iran mit dem falschen Typen verheiratet wirst und der dich schlecht behandelt, dann moechte ich nicht tauschen, dann hast du wahrscheinlich nicht so viel zu lachen.

Frau

Aber die Frauen hier zu Opfern zu schreiben, nimmt diesen erstens die Wuerde und zweitens entspricht dies auch einfach nicht den Tatsachen.  Ich habe mir viel Zeit gelassen mit diesem Artikel, weil das ist ein ziemlich schwieriges und vor allem ziemlich komplexes Thema und es gibt ziemlich viele verschiedene Wirklichkeiten, so wie es auch sehr verschiedene Menschen und Lebensumstaende gibt.

Jedenfalls wirken die Frauen gar nicht so unterdrueckt wie wir sie vielleicht gerne sehen wollen.  Man sieht staendig auch Frauen unterm Tschador zufrieden lachen, Maedchenschulklassen ziehen kichernd durch die Strassen und die paar Frauen, deren Bekanntschaft ich machen durfte, wirkten allesamt sehr selbstbewusst, gebildet und wussten genau was sie wollten.

Es ist zwar Pflicht ein Kopftuch zu tragen, der Tschador ist aber keine Pflicht.  Die, die diesen tragen, und das ist grob geschaetzt vielleicht die Haelfte der Frauen, tun dies freiwillig oder eben aus religioeser Ueberzeugung oder aus familiaeren Zwaengen,Frauen

zumindestens ist es nicht staatlich vorgeschrieben.  So richtig komplett zugezogen sind gerade aeltere Frauen, und ich kenne niemanden, der deswegen jetzt an Herzdruecken sterben wuerde, weil er nicht alle Koerperformen genau ersehen kann.

Und es gibt durchaus, im Rahmen der bestehenden Kleiderordnung, die Moeglichkeit sich attraktv zu kleiden.  Da rutscht das Kopftuch weit nach hinten, da wird ein kurzer Rock oder Kleid ueber die Hose gezogen (eine Mode, die auch, zumindestens in Ostdeutschland, unter den etwas schuechterneren Frauen durchaus ebenso populaer ist), Absatzschuhe sind auch mit Tschador kein Tabu und Lippenstift und andere Schminke sieht man in den Staeden oefters.  Und da Kleidung ja vor allem im Verhaeltnis zueinander funktioniert, kann man schon schnell sehen wer sich die Muehe macht etwas schicker auszusehen als die anderen.

alte Frau

Frauen fahren Autos, deren Autos scheinen auch die einzigen zu sein, die eine Bremse haben.  Auch wenn die Oeffentlichkeit Maennerbereich ist, nehmen Frauen am oeffentlichen Leben teil, gehen einkaufen, arbeiten, treiben Sport usw. Ich habe Frauen im Internetcafe an den Einstellungen am Rechner spielen sehen, da wusste ich nicht mehr was die da eigentlich machen. In der Schwimmhalle haben die eigene Zeiten, es gibt Radrennen fuer Frauen und vor allem habe ich nicht schlecht geguckt, als da in Teheran 4 Frauen mit Kletterseil und Ruecksaecken aus den Bergen kamen.

Es ist aber genauso ueblich, dass die Frauen wie selbstverstaendlich zu Hause den Tee und das Essen servieren und der Typ dazu auf dem Teppich rumliegt.  Das ist hier so die Rollenverteilung und alle, Maenner wie Frauen, wachsen mit diesem Rollenbild auf und es ist einfach selbstverstaendlich so.  Das kann man nun doof finden oder auch nicht, aber am Ende steht ja immer noch die Frage, wer denn zu Hause tatsaechlich die Hosen anhat (oder das Kopftuch auf), das macht sich ja nicht nur an der Hausarbeit fest.

RadlerinnenGenerell finde ich eigentlich, dass Maenner Frauen respektvoll gegenueber treten.  Das bestaetigen auch einige weibliche Traveller.  Ich habe verschiedene alleinreisende Frauen getroffen und sie alle gefragt, wie sie denn klar kommen und ob es fuer sie schwierig sei im Iran zu reisen.  Einhellig haben alle gemeint, dass es gar kein Problem waere, dass sie mit Maennern wie Frauen gleichermassen reden und das sie eine unkomplizierte und gute Zeit haetten.  Vielleicht ist das auch der Auslaenderbonus, aber es stellt anscheinend kein Problem dar auch als Frau alleine durch den Iran zu reisen.  Ich hab sogar von einer alleinreisenden Radfahrerin gehoert.

FrauenIch behaupte jetzt mal, trotz vielfacher gesetzlicher Diskriminierung, hat man als Frau im Iran durchaus Moeglichkeiten am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen und ist nicht nur an Heim und Herd gebunden.  Das habe ich in anderen islamischen Laendern, vom Marroko bis Aegypten, bei denen bestimmte Vorschriften nicht wie hier im Gesetzbuch sehen, schon ganz anders erlebt, da sieht man teilweise gar keine Frauen auf den Strassen bzw. moderne Sportarten, Arbeit in der Oeffentlichkeit etc. sind da komplett undenkbar.

Hier ist lange nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen und von Gleichberechtigung sind Frauen hier noch meilenweit entfernt.  Aber es liegt, wie auch bei uns und ueberall, auch an den Frauen ob sie die Moeglichkeiten nutzen oder nicht.
Und mich wuerde ueberhaupt nicht wundern, sollte es hier irgendwann mal knallen, dass gerade Frauen in den ersten Reihen mitlaufen.  Mit ueber 50% Frauen an den Universitaeten, von denen dann der uebergrosse Teil zu Hause bleibt, das muss doch maechtig frustrieren, so nur zum Spass studiert zu haben.

Frau im Iran

Lemminge

Freundinnen

SchuelerinMaedchen

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3 Comments

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  1. Dirk

    27. Dezember 2010 at 10:00

    Stell mal bitte die nervige Werbung samt Musik ab. Ansonsten schöner Reiseblog wie immer bei Dir.
    Gute Reise mein Großer.

     
  2. Cathrin

    11. Januar 2011 at 19:49

    ssehr schön und moderat formuliert, wo es doch so einfach wäre, gerade dieses thema so richtig schön zu nutzen, um über das land und den islam im speziellen herzuziehen.
    ich finde, das wort „gleichberechtigung“ sollte mal definiert werden: die chance, auch als frau chancen zu haben und die freiheit sie zu nutzen oder nicht, oder – wie bei uns in deutschland – das gefühl der „verpflichtung“, es den männern nachmachen zu müssen! einige meiner freundinnen mit uniabschluß entschuldigen sich noch heute dafür, dass sie sich nicht für „karriere“ (was ist das?) entschieden haben, sondern sehr glücklich für ein leben zwischen kids und staubsauger im eigenheim. mit garten.

    also wenn das kein druck ist!
    und zum thema getrenntes lernen: es gibt studien die zeigen, dass mädels in reinen mädelsklassen besser in naturwissenschaftlichen fächern abschneiden (mathe, physik) als in gemischten schulklassen.
    vielleicht ist getrennter unterricht, auch an unis, also letztlich der weg zu MEHR chancengleichheit?

    es bleibt interessant, was die frauen im IRAN (nicht wir, die wir die situation dort gar nicht historisch beurteilen können) künftig daraus machen werden.
    schöne bilder jedenfalls, lolli!

     
  3. Hanne

    20. Januar 2011 at 14:50

    Moin Moin

    viele Grüße in den Osten, mein lollie von Arabien